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{ ANNA GALKINA - DAS KALTE LICHT DER FERNEN STERNE }

Montag, 18. April 2016 | |
Die matronenhafte Bibliotheksdirektorin Tamara, die mit dem kränklichen Wiktor ihren zweiten Frühling erlebt. Sergej mit den Kunstledersandalen, dessen Scheune begehrter Treffpunkt der Jugendlichen ist. Die drei »Schlampen«: Lena mit dem Oberlippenbart, Dina mit dem Vater im Knast und Oksana, Expertin für Schwangerschaftsabbrüche. Nastja beobachtet sie, seit sie ein kleines Mädchen ist. Zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter lebt sie in einem Städtchen unweit von Moskau, das bessere Tage gesehen hat. Die Bewohner hausen zwischen Eimern und Einweckgläsern, zwischen Plumpsklo und Gemüsegarten, trinken bitteres Bier und selbstgebrannten Schnaps, beschimpfen und vergnügen, lieben und schlagen sich. Zunächst scheint Nastja als Erzählerin wie über dem Geschehen zu schweben, dann jedoch zieht es sie mitten hinein in das Pop-up-Panorama der russischen Provinz. Sie erlebt Geschichten voller Poesie und Gewalt, Tragik und Humor, Episoden mit ungewissem Ausgang. Bis Nastja sich in den jungen Soldaten Dima verliebt und es so aussieht, als würde ihr Leben eine unvorhergesehene Wendung nehmen.
© Klappentext &von der FVA und das Cover von Anna Galkina



Titel: Das kalte Licht der fernen Sterne
Erschienen: Februar 2016
Format: Hardcover
Seiten: 192
Sprache: Deutsch

Rezension


Dieses Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks von der Frankfurter Verlagsanstalt als Rezensionsexemplar erhalten. Noch einmal herzlichsten Dank. 

Dieser Debütroman der Autorin Anna Galkina erzählt unverblümt über das raue Leben in den 80er Jahren in Moskau. Armut und Gewalt beherrschen das Land. In dem Haus der Hauptcharakterin Nastja gibt es kein fließendes Wasser und keine Sanitäranlagen, wenn man einmal von dem Plumpsklo im Garten absieht und auch sonst gibt es wenig Schönes, dass die Kinderaugen der zuerst jungen Protagonisten widerspiegeln könnten.

Gleich die ersten Seiten sind faszinierend. Der ausdrucksvolle Schreibstil der Autorin ist sowohl poetisch und atmosphärisch, als auch kühl und eindringlich. Nicht wird verschönt und jeder Satz ist in gewisser Weise emotional distanziert, wenngleich die beschriebenen Szenen einen beinahe schon erlauben, sich den Markt bildlich vor Augen zu führen und die Gerüche wahrzunehmen. Auch die Spur von Humor und Ironie, passt sehr gut zu der Story, die großteils wie kleine einzelne Aufsätze über verschiedene Themen, Personen oder Orte wirken. Anfangs noch kindlich und naiv, wächst der Stil auch mit dem Erwachsen werden mit.

Obwohl ein solches Elend beschrieben wurde und mich so vieles erschreckt hat, fand ich das Buch sehr gut. Es war einerseits die Distanziertheit, die durch den Schreibstil eintraf und die den Leser zwar schockiert miterleben ließ was passierte, aber nicht ausschließlich alles auf emotionaler Basis berührte. Sonst wäre das Buch meines erachtens nach auch zu aufreibend gewesen.
Wenn man diese detaillierte Lebensgeschichte liest, möchte man sich schämen für das, was dort passiert, während es uns heute und auch damals in den größten Teilen Deutschlands wesentlich besser ging.  

Obwohl mir das Buch durchweg gefallen hat, waren die Handlungen der Charaktere nicht immer nachvollziehbar für mich. Die Charaktere wirkten allesamt schwach, da sich keiner traute, sich loszulösen. Sie alle waren Mitläufer. Sie sahen Gewalt und Vergewaltigung und teils noch schlimmeres, doch niemand mischte sich ein. Das wird vor allem auch an Lena sehr deutlich, der schlimmes wiederfährt. Auch Nastja wagt es nicht aus dem Freundeskreis auszubrechen, der nichts Gutes bringt.

Ein interessantes Buch das mit seiner dichten atmosphärischen Schreibweise einen neuen Blick auf das damalige Russland fallen lässt und uns lehrt, dass Leben, so wie wir es kennen, noch mehr zu schätzen. 



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Gerne könnt ihr in der Kommentarbox auch eure Meinung zu dem Buch teilen, oder darüber diskutieren. Bittet nehmt aber Rücksicht und nennt keine Spoiler.

Kommentare:

  1. Das hörte sich erst nach einer bunten, lustigen Mischung an. Nach Geschichten, wie sie eben das Leben schreibt, mit interessanten Charakteren.
    Aber nach deiner Rezession reizt mich das Buch nicht mehr sonderlich. Gerade wenn Charaktere nicht wirklich nachvollziehbar sind, habe ich immer so meine Probleme und beginne zu meckern...

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    1. Hallo Christine,

      also ich kann das Buch trotzdem empfehlen. Es ist nur kein üblicher Roman und alles sehr autobiografisch gehalten, weshalb das Buch nicht ohne ist. Es wird knallhart und ohne eine Hand vor dem Mund zu nehmen, von dem Alltag, der Vergewaltigung und der Gewalt erzählt. Für mich reagieren da ein/zwei Charaktere nur nicht so drauf, wie ich es erwartet hätte. Während ich erwarten würde, dass man sich von solchen Menschen abwendet, oder sich einmischt um zu helfen, tun sie nichts um das Übel abzuwenden.

      Hier gibt es eine Leseprobe, falls du trotzdem mal reinschauen magst: http://cms.frankfurter-verlagsanstalt.de/img_fva.php?id=1670

      Liebe Grüße,
      Alex

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