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{ DIE ROMANTIK GEHT BADEN }

Mittwoch, 11. Mai 2016 | / |

Der zweite Auszug aus meinem neusten Schreibprojekt »Ein Hauch von Vergangenheit«. Diesmal ist es ein Teil eines Rückblicks von Freya und Noahs Abschlussball.

Eine Weile lang gingen wir schweigend über das dunkle Schulgelände, welches nur durch wenige Straßenlaternen beleuchtet war und den idealen Rückzugsort für viele Paare bot, die – sich einander verschlingend – in den Gebüschen standen. Unsere verschränkten Hände gaben uns mehrmals den nötigen Halt, um nicht hinzufallen oder lautstark loszulachen, wenn wir uns wieder einem wild gewordenen schmatzenden Paar gegenüberstanden.
     Ein hochgewachsener breitschultriger Schüler, den ich aus dem Baseballteam kannte, schrie uns wilde Beschimpfungen hinterher, als wir uns auf einer Parkbank niederlassen wollten, hinter der er gerade mit seiner neusten Errungenschaft aus dem Cheerleaderteam herumknutschte. Eiligen Schrittes liefen wir davon und stolperten dabei mehrere Male über im Weg stehende Büsche und Baumwurzeln, konnten uns jedoch glücklicherweise immer auf den Beinen halten, bis er die Verfolgung aufgab und wir, im sicheren Schutz des Schulgartens angekommen, lautstark anfingen zu lachen. Ich krümmte mich, bis mir der Bauch wehtat und ich das Gefühl der Übelkeit unterdrücken musste.
     Wir standen uns gegenüber und ich stütze meine Arme auf seinen Schultern ab, während er seine Hände in meinen Rücken legte, damit ich nicht umkippte. Noch immer lächelnd sahen wir uns an. Dann ging es so schnell, dass ich gar nicht wusste, was uns dazu bewogen hatte, oder wie es dazu kam.
     Unsere Lippen trafen einander und schmeckten den salzigen Geschmack des anderen. In Filmen würde dieser Moment nun eine Ewigkeit andauern und als der schönste Tag im Leben eingehen. Wir würden uns irgendwann voneinander lösen, uns schüchtern anschauen und dann würde er mich mit seinem Auto nach Hause fahren, auf meiner Veranda – die die Wohnung meiner Eltern nicht einmal besaß – meine Hände halten, die Zustimmung das er mich noch mal küssen durfte in meinen Augen suchen und mir einen Abschiedskuss geben.
     Mein Leben war jedoch kein Film, weshalb nichts dergleichen geschah. Stattdessen lösten wir beide uns schon fast so schnell wieder voneinander, wie unsere Lippen zusammengefunden hatten und schauten uns erschrocken und verwirrt an.
Während ich Abstand suchend einen Schritt nach hinten trat und Noah mich aus der Umarmung freigab, traf mein Schuh auf matschigen Untergrund und ich geriet ins Taumeln. Nur einen Bruchteil später landete ich im eiskalten Schulteich, dessen Rand wir zu nahe gekommen waren, und hustete das grünliche Wasser aus, welches ich verschluckt hatte.
     Unsere Blicke trafen sich und Noah fing wieder einmal lautstark zu lachen an, während ich aus dem Kichern nicht mehr rauskam. Erst als wir uns endlich beruhigt hatten, hielt er mir seine Hand hin, um mir rauszuhelfen. Kurz spielte ich mit dem Gedanken ihn ins Wasser zu ziehen, doch die Vernunft und der Wille aus der Brühe herauszukommen, setzten sich durch.
     Endlich wieder auf trockenem Boden angekommen, wrang ich mein knielanges Kleid aus. Die Ornamente in Weißblau, waren einem Gemälde aus braunem Matsch gewichen. Angewidert wischte ich meine Knie und meine Arme sauber und zog meine Schuhe aus, die sich ebenfalls mit Wasser vollgesogen hatten.


© Alexandra Hamann

Dieser Abschnitt ist noch nicht Korrekturgelesen. Ich bitte daher Rechtschreibfehler zu entschuldigen.

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