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{ „A NOVEL A MONTH“ - MUSS ES WIRKLICH IMMER SCHNELL GEHN? }

Dienstag, 29. März 2016 | / |

Wir leben in einer extrem schnelllebigen Zeit. Das was gestern noch modern war, ist heute schon wieder altmodisch. Wir wollen Nervenkitzel und Action und viel Geschwindigkeit. Wenn fünf Minuten lang in einem Film nichts passiert, schalten wir ihn aus und sagen wie langweilig er doch war. Wir sind ständig unterwegs, müssen alles übers Handy oder das Tablet von unterwegs aus regeln können, während wir unseren Smoothie schlürfen, in den Bagel einer Fastfoodkette beißen, in unserer Tasche rumwühlen und gleichzeitig Facebook checken. Alles muss schnell gehen, in nichts darf mehr zu viel Zeit investiert werden. Ist das jetzt auch schon beim Schreiben so?


In letzter Zeit habe viel  im Internet gestöbert und da sind mir bei den Schlagwörtern rund ums Thema Schreiben einige Blogposts oder Websites aufgefallen, die alle in etwa den gleichen Inhalt behandelt hatten und den gleichen Titel trugen. „How to write a novel in a month/30/31 days“„A novel a month“ oder gleich „12 books in 12 months“

Irgendwie macht mich dieses Thema etwas stutzig und auch irgendwie traurig. Natürlich weiß ich, dass jemand der sein Geld allein durch das Schreiben von Büchern verdienen will, auch viel Zeit investieren muss und die Verlage einem nicht ewig Zeit geben, nun endlich den Folgeband des neuen Bestsellerromans zu beenden. Wer liest den schließlich noch, wenn er erst vier Jahre nach dem ersten Band rauskommt und alles schon wieder vergessen ist?

Dennoch stellt sich mir die Frage, ob es überhaupt möglich ist, ein qualitativ gutes Buch in so kurzer Zeit zu schreiben. Bringt es wirklich etwas sein Buch in 1-2 Tagen zu plotten und dann von morgens bis Abends zu schreiben, bis das Buch fertig ist? Für mich wirkt das ganze wie „abarbeiten“. Aber ich möchte meinen Roman nicht abarbeiten, sondern ihn schreiben und mit Leben füllen.

Wie viel Leben steckt aber in einem Roman, dem man gar keine Zeit gibt, sich zu entfalten? Wo ist die Zeit die die Charaktere haben, um den Autor im Traum heimzusuchen oder die Oberhand über eine Handlung zu übernehmen? Wie viel Herzblut steckt in einem Roman, mit dem man nicht mehr als dreißig Tage verbringt? Wo ist die tiefe Bindung zu den Charakteren?  Und vor allem, wo steckt die Liebe zum Schreiben selbst? 

 Um was geht es einem eigentlich, wenn man anfängt ein Buch zu schreiben? Für mich wirken diese „A novel a month“ Autoren ein wenig wie Profitjäger, die hauptsächlich auf die Vermarktung des Buches und das schnelle Geld aus sind, während ich es wichtig finde, Zeit in eine Sache zu investieren, die mir wichtig ist und an der ich Spaß habe. Ich möchte meine Gedanken mit Worten zum Leben erwecken und ich finde es auch nicht unbedingt richtig ein Buch nur deswegen zu schreiben, um Geld damit zu machen, denn Bücher sind doch so viel mehr, oder etwa nicht? Sie sind kein Objekt das ich in meine Wohnung stelle um es später anzuschauen, sondern ich möchte mich durch das Buch in eine andere Welt flüchten und den Fantasien anderer folgen.

Natürlich macht es einen Unterschied, wenn man bereits einige Teile eines Romans geschrieben hat und soweit alles geplottet ist und man beim dritten oder vierten Band vielleicht total den Lauf hat, weil man seine kreierte „Welt“ und seine Charaktere bereits wie echte Menschen wahrnimmt, die man in und auswendig kennt und dessen Handlungen und Reaktionen sich wie von selbst schreiben.
Aber in normalen Fällen, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Buch das in einem Monat geschrieben wurde, auch nur annähernd so gelungen ist wie eines, in das der Autor wirklich viel Zeit investiert hat und dem er richtiges Leben eingehaucht hat.

Mich macht es traurig solche „Trends” zu entdecken, bei denen die Autoren damit prahlen, jeden Monat ein neues Buch zu schreiben und zu verkaufen. Aber möchte ich wirklich Geld für etwas ausgeben, was nur als Arbeit oder ein Job gesehen wurde? Eine Idee die aufgeschrieben und verkauft wird? 


Was haltet ihr davon? Wünscht ihr euch auch, euer Buch in einem Monat zu planen, schreiben und beenden oder steckt ihr lieber mehr Zeit hinein? Welche Vor- und Nachteile seht ihr dabei?

Kommentare:

  1. Respekt, du hast genau die richtigen Worte gefunden und schneidest mit diesem Beitrag ein bedenkliches Thema an. Ich bin ganz deiner Meinung, denn auch ich versuche mich gerade als Autorin und habe schon zwei Manuskripte komplett verworfen, weil sie meiner Meinung nach der Geschichte nicht gerecht wurden. Diese Geschichte ist mein Herzensprojekt, weshalb ich mir auch liebend gerne die Zeit nehme mich ein drittes Mal daran zu versuchen. Man sollte aus Leidenschaft schreiben und sich nicht auf möglichen Profit fokussieren und die Geschichte ohne eigenen emotionalen Zugang zu den Charakteren und der Handlung aufs Papier bringen... Ich bin nun übrigens bei meinem Blogdesign auf einen Plan B ausgewischen, nochmal vielen Dank für die angebotene Hilfe!♥
    http://anna-krethe.blogspot.de/

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  2. Vielen lieben Dank, Anna.
    Es hat mich einige Überlegungen gekostet, ob ich diesen Blogpost wirklich schreiben sollte. Es freut mich aber, bei dir auf Zustimmung zu treffen. Ich sehe es genauso wie du. Man sollte aus Leidenschaft schreiben und nicht aus reinem Profit.
    Sorry übrigens, ich habe das mit dem Code total vergessen irgendwie. Aber ich werde deinen Blog die Tage mal besuchen kommen.
    Dankeschön für den lieben Kommentar. ♥

    Liebe Grüße,
    Alex

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